Stadtumbau in Thüringen
Das Problem sinkender Einwohnerzahlen im Freistaat und die Zunahme der Wohnungsleerstände gefährdet die soziale Stabilität und Funktionsfähigkeit der Städte. Die Wohnungsunternehmen stehen durch den zunehmenden Leerstand von nicht nachgefragten Wohnungen vor besonderen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen. Diese Entwicklung war für das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Medien frühzeitig Anlass zu gezieltem Handeln.
Seit der Auflage des Bund-Länder-Förderprogramms "Städtebauliche Weiterentwicklung großer Neubaugebiete" im Jahr 1993 werden im Freistaat erste Planungen und Maßnahmen zur Wiedergewinnung eines quantitativen und qualitativen Gleichgewichts zwischen Wohnungsnachfrage und Wohnungsangeboten gefördert. Mit fortschreitender Entwicklung wurden auch die übrigen Programme der Städtebauförderung verstärkt im Sinne gesamtstädtischer Stadtumbaustrategien eingesetzt. Dabei wird nach wie vor ein Schwerpunkt auf die Aufwertung der historisch gewachsenen Innenstädte als wesentliches Identifikationsmerkmal ihrer Bewohner gesetzt. Mit der Thüringer Innenstadtinitiative und der Initiative "Genial Zentral"engagiert sich der Freistaat mit zusätzlichen, ausschließlich landesfinanzierten Förderprogrammen. Aber auch der Rückbau von nicht mehr vermietbaren Wohnungen wurde in einem Programm des Landes zur Wohnungsmarktstabilisierung unterstützt.
Inzwischen hat der Bund durch die Auflage des mit langfristiger Finanzierungsperspektive ausgestatteten Programms "Stadtumbau Ost" und mit der Durchführung des gleichnamigen Bundeswettbewerbs eine Basis für integrierte Stadtumbauprozesse geschaffen. Damit kann in Thüringen zusammen mit den komplementären Mitteln des Freistaats bis zum Jahr 2009 von einem verfügbaren Fördervolumen im Programm "Stadtumbau-Ost" in Höhe von ca. 425 Mio. € ausgegangen werden.
Bundeswettbewerb Stadtumbau Ost
Am Bundeswettbewerb haben bei insgesamt 261 eingereichten Stadtentwicklungskonzepten 37 Thüringer Städte und Gemeinden teilgenommen.
Die Städte Leinefelde und Rossleben haben in ihrer jeweiligen Bewertungsgruppe den ersten Preis gewonnen, die Entwicklungskonzeption der Stadt Sondershausen wurde mit dem zweiten Preis gewürdigt. In die engere Wahl wurden die Städte Artern, Lobenstein und Zeulenroda eingeordnet.
Unabhängig von der Bewertung der Wettbewerbsbeiträge durch die Jury ist festzuhalten, dass durch den Bundeswettbewerb ein erheblicher planerischer Fortschritt in der Entwicklung von kommunalen, städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Konzepten zum Stadtumbau erreicht werden konnte. Damit sind fast flächendeckend in Thüringen die Voraussetzungen für die Einleitung und Umsetzung zielführender Maßnahmen des Stadtumbaus geschaffen worden. Wesentliche Bestandteile der Stadtumbaukonzepte, für deren Erstellung im Rahmen der Thüringer Städtebauförderrichtlinien ein Leitfaden veröffentlicht ist, sind wohnungswirtschaftliche Konzepte.
Begleitforschung zum Stadtumbau
Bisher gibt es nur wenige Erfahrungen mit der Umsetzung von Stadtumbau- und Rückbaukonzeptionen unter Schrumpfungsszenarien. Der Freistaat ist der Überzeugung, dass der nun anstehende breitangelegte Prozess des Stadtumbaus einer intensiven Beobachtung und Unterstützung insbesondere hinsichtlich der zielführenden Wirkung von Strategien und Maßnahmen sowie der Förderprogramme und des Fördermitteleinsatzes bedarf.
Aus diesem Grunde wurde eine Begleitforschung initiiert, die unter der Federführung der Stadt Leinefelde-Worbis den Fortschritt des Stadtumbaus in Thüringen kontinuierlich auswerten und die Ergebnisse in einen intensiven Erfahrungsaustausch mit den Programmstädten und dem Thüringer Ministerium für Bau und Verkehr einbringen wird.
Beauftragt wurde im Ergebnis eines Verhandlungsverfahrens nach europaweiter Ausschreibung eine Arbeitsgruppe (AG), in der die Fachrichtungen Stadt- und Landschaftsplanung, Architektur, Wohnungswirtschaft, Sozialplanung, Technische Infrastruktur und Umwelt vertreten sind.
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